Kriegspresse – Wie der Krieg vorbereitet wird

Vor langer Zeit einmal war Putin ein zwar autokratischer, dennoch akzeptierter und vom Volk geliebter Führer Russlands. Dann wurde er zur Witzfigur, zum Schwulenfeind, sein Rückhalt in der Bevölkerung und den russischen Eliten wurde angezweifelt, und schließlich wurde er zum rücksichtslosen Aggressor – und landete (unmittelbar nach der Katastophe und noch vor irgendwelchen Untersuchungen) als mutmaßlicher Urheber eines Flugzeugabsturzes auf der SPIEGEL – Titelseite.

Die westliche Presse geriet für ihr „Russlandbashing“ immer mehr in die Kritik, auch weil die Quellen der russlandkritischen Berichte oft interessengesteuert waren. Dazu habe ich hier mit diversen Links schon Stellung bezogen, einen Bericht über die Interessenkonflikte der deutschen öffentlich – rechtlichen Medien finden Sie hier.

Doch dieser Tage erreicht die Hysterisierung der deutschen Medien einen neuen Höhepunkt. Daß die osteuropäischen Länder historisch bedingt Angst vor einer russischen Aggression haben ist bekannt – eine Nato – Mitgliedschaft sollte da schon etwas Rückversicherung geben. Wenn das Verlangen der Russland – Anrainer nach weiteren Truppenstationierungen zu stark wird, muß die NATO ja nicht gleich unvernünftig werden. Jetzt hat sie dennoch eine dauerhafte Präsenz an der russischen Grenze beschlossen – und das ganze „Rotation“ genannt, um ersteres positiv zu verbrämen.

Das Begleitfeuer der Medien ist allerdings unglaublich. Die FAZ, ohnehin Transatlantikbrückenstützpunkt, fährt gleich das ganz große Geschütz auf: Die Baltenrepubliken fürchteten den russischen „Blitzkrieg“, titelte sie am 08. Juli. Und: im „Ernstfall sei der Kreml zum Äußersten bereit“ war schon in der Artikeleinführung zu lesen – allerdings ohne Angabe einer Quelle oder worauf genau sich diese Aussage bezog. Springers amerikatreues Kampfblatt die WELT stieß einen Tag später ins gleiche Horn – die „Lücke von Suwalki“ sei die große Achillesferse der NATO und der aufgeregte Ton des Artikels, mit Karten und Strategiebeschreibungen unterlegt, suggeriert einen unmittelbar bevorstehenden Angriff der Russen – und schreibt Befürchtungen der NATO groß („die Infanterie der NATO würde an Ort und Stelle zerstört werden“).

Vernünftigen Denkern mag nun erst mal durch den Kopf gehen, was das soll. Schließlich ist auch Putin nicht doof (das zumindest dürfte er inzwischen bewiesen haben) – was genau brächte ihm denn ein Überfall auf das Baltikum? Die FAZ – Erklärung für den Alarmzustand in den baltischen Republiken, „Seit Russland in seiner Nachbarschaft Provinzen erobert…“, als sei er unter die Briefmarkensammler gegangen, wirkt da etwas tendenziös. Erstens geht es hier v.a. um die Krim und die Ostukraine – die handfesten militärischen Interessen, die Russland hier hat, sind seit langem bekannt (Schwarzmeerflottenstützpunkt Sewastopol) – und gerieten erst durch EU – und NATO – Bemühungen um die Ukraine in akute Gefahr – und zweitens gibt es sonst keine Gründe für ein solch gefährliches Unternehmen. Die Rohstoffe im Baltikum sind überschaubar (v.a. verglichen mit den russischen), die reine Ausdehnung dürfte es auch nicht sein (mehr Raum braucht das russische Volk nun sicher nicht). Verbindungen zur Ostsee gibt es genügend und die russischen Minderheiten im Baltikum geben auch keinen Anlaß. Spiegelbildlich zur gefühlten Bedrohung fühlt sich auch Russland unter Druck gesetzt.

Daß die NATO hier annimmt, Putin nähme das Risiko eines Atomkrieges auf sich, ist wirklich bedenklich. Die Provokationsbereitschaft auf beiden Seiten (v.a. auch durch die USA) dagegen ist lange bekannt. Schließlich operieren die USA gerne auf fremdem, dem Mutterland weit abgelegenen Grund. Und diesmal haben sie neue, willige Helfer:

Unter dem Titel „Deutschlands militärisches Erwachen“ titelte die Welt noch am selben Tag triumphierend die Teilnahme Deutschlands an den geostrategischen Spielchen heraus. Die Nähe zum alten Großmachtjargon der Nazis muß bald darauf jemandem übel aufgestoßen sein – der Artikel hat nun einen weit zivileren Titel.

Frank – Walter Steinmeiers Kritik am Säbelrasseln der NATO mag Wahlkampftaktik gewesen sein, in der Sache liegt er richtig, auch wenn die WELT ihn gleich wieder runterputzt, denn:

Die Zielrichtung jedenfalls ist klar, der Weg zum Krieg vorbereitet. Das Feindbild Putin wurde (s.o.) geschickt hergestellt, die Presse leistet propagandistische Schützenhilfe und die Demokratie in Deutschland kennt wie weiland Wilhelm II. keine Parteien mehr, das Kartell aus CDU, SPD, FDP und Grünen tickt in wesentlichen Bereichen gleich. Störfaktoren in Teilen der Linken oder der AfD werden (nicht nur mit Torten) massiv bekämpft und ausgegrenzt, die Bevölkerung geschickt eingelullt, mundtot gemacht und überwacht. Es bleibt -trotz aller ausgestellter Moral in ARD und ZDF nur noch zu sagen: Möglicherweise sind wir diesmal wieder die Täter – auf jeden Fall sind wir nicht die Guten!

UPDATE 10. 07. 2016:

Kleiner Lichtblick im SPIEGELvereinzelte Stimmen gegen die Aufrüstung

 

Update: 25. 09. 2016:

Protest gegen diese Regierung hier: http://www.abgeordneten-check.de/kampagnen/frau-merkel-treten-sie-jetzt-zurueck/startseite/

und hier: http://cdu-austritt.de/

und hier: https://www.kündigen.de/politische-parteien/spd-parteivorstand/mitgliedschaft/kuendigen

 

https://europablind.wordpress.com/

Advertisements
Kriegspresse – Wie der Krieg vorbereitet wird

Hysterie – wie Politik und Medien Empörung erzeugen und nutzen

Dieser Tage gehen Aufschreie durch die Medien. Viele. Und manch normaler Leser muß sich fragen, was mit Presse, Politikern und sozialen Netzwerken los ist – oder in den allgemeinen Zeitläuften. Eine fundierte und ruhige Diskussion findet kaum noch statt, Medien heischen um Aufmerksamkeit, finden dabei die aufgepeitschten Massen des Internets und Politiker nutzen das für ihre Aktionen – oder umgekehrt, oder alles zusammen.

Schon beim Brexit war das zu beobachten: Statt erstmal nüchtern Bestandsaufnahme zu machen, keilten Juncker und Schulz gegen die Briten und forderten einen schnellen Austritt, die vorher schon aufgefahrenen Angstkulissen der Medien wurden verschärft – als ob ein fallendes Pfund für Großbritannien selbst nicht auch positive Folgen haben könnte – und ein neues Feindbild wurde geschaffen: Die Alten.

Die SPD – Fachfrau und Ministerin Manuela Schwesig und Heiko Maas nutzten die Hysterisierung der Massen im Internet um im Einklang mit der Kampagne „Nein heißt nein“ die Schlafzimmer Deutschlands zum neuen Schlachtfeld der Paragraphenreiter zu machen – wie  und warum sich die Medien hier gerne vereinnahmen ließen zeigt dieser Kommentar aus dem Branchenfachmagazin „Meedia„- und nach dieser Kolumne aus der „Zeit“ bleibt auch mir nicht mehr viel dazu zu sagen.

Weltpolitisch schürt die FAZ neuerdings Hysterie: Die Baltenrepubliken hätten „Angst vor einem russischen Blitzkrieg“ titelt sie online. Was sicher auch richtig ist, Erfahrungen aus der Geschichte und die Nähe zur Weltmacht beunruhigen dort sicher nicht wenige Gemüter – weshalb es auch gut ist, den baltischen Staaten durch die NATO  Rückendeckung zu geben. Warum man aber, statt emotional abzurüsten, auch hierzulande durch Mutmaßungen und tendenziöse Erwartungshaltung dem Affen Zucker geben muß, beantwortet die FAZ in ihrem Artikel nicht. Schon der erste Satz, Rußland erobere „Provinzen in seiner Nachbarschaft“ ist eine Frechheit an Unklarheit und zeigt die Stoßrichtung des ganzen Artikels auf: Dem Krimstreit liegen handfeste Interessenskonflikte zugrunde, an denen die EU nicht unschuldig ist. Und wie auch immer man diesen Konflikt und seine Auswirkungen auf umliegende Regionen beurteilen mag, Rußland ist definitiv nicht dabei, „Provinzen“ zurückzuerobern – die Wichtigkeit der militärischen Anlagen in der Krim war immer klar – und die NATO und die EU hätten dies respektieren müssen. In diesem Fall hat Rußland nicht anders gehandelt, als es die USA in ähnlich gelagerten Fällen getan hätten – und haben.

Daß Rußland nun unbedingt die Anrainerstaaten auch noch zu annektieren suche ist eine Mär, die direkt aus NATO – Thinktanks stammen könnte – und den Anlaß zur derzeitigen Aufrüstung und Säbelrasselei gibt. Die Sorge mag vorhanden sein, die FAZ behandelt sie wie ein Damoklesschwert der westlichen Existenz und gibt Strategiespiele der NATO zum besten. Außer „könnte“ und „wäre“ und anderen Konjunktiven gibt diese Geschichte nicht viel her – bleibt aber im Kopf des Lesers. Die FAZ macht sich damit zum Propagandablatt der Aufrüstung und disqualifiziert sich für geerdete Diskussionen. Denn auch Putin ist Realpolitiker – was genau wäre sein Nutzen einer Eroberung des Baltikums – wenn er doch genau weiß, daß er damit den Draht zum Westen komplett abschnitte? Keine Erdöl- und Gasverkäufe mehr – stattdessen ein Krieg, der nicht nur jahrelang Ressourcen binden, den Bankrott der russischen Wirtschaft bedeuten würde und nicht zuletzt im Atomkrieg gipfeln würde? Diesen schreiben Jornalisten wie die der FAZ mit substanzlosen Artikeln wie diesem fahrlässig herbei.

Wie einfach die Reflexe der sozialen Netzwerke ausgelöst und von den Medien ausgenutzt werden, zeigte sich schon im Falle Boateng. Eine harmlose Äußerung wird zum rassistischen Tabubruch umgedeutet, indem die Presse die Lesart gleich mitliefert. Alles, was die AfD sage, sei Provokation, deshalb müßte diese Äußerung auch soundso gedeutet werden, auch wenn der Wortlaut anderes impliziert. Gleichens Prinzip heute in der WELT – denn sie hat es schon wieder getan: Dauerbuhfrau von Storch saß wieder in Mausgriffweite und hat es gewagt, sich über Fußball zu äußern – genaugenommen, die Nationalmannschaft, neuerdings unter der Merkel – Marke „die Mannschaft“ bekannt. Ob nicht nächstes Mal wieder die „Nationalmannschaft“ statt der „Mannschaft“ spielen solle, fragt sie per Twitter. Natürlich erfolgten die Sofortreaktionen der Dauerhyperventilierer – das sei doch „rassistisch“ und „Nazi“ und überhaupt…Die WELT und andere Blätter sprangen gleich auf diesen Erste – Klasse – Zug auf und übernahmen die Lesart der Dauerempörer – um auch den nicht im Internet versierten Lesern die einzig mögliche Deutung vorzusetzen: Wahrscheinlich ginge es – ganz rassistisch – um die nicht biodeutschen Mitglieder der „Mannschaft“, ganz egal, wie plausibel von Storchs Rechtferigung auf Facebook auch aussieht. Diese hatte nämlich ihre Kritik am doofen neuen Namen „Mannschaft“ festgemacht und bevorzuge das Wort „Nationalmannschaft“. Daß die Medien, die die Twitter – und Facebookaccounts der AfD seit jeher unter strenger Beobachtung halten, nicht mitbekommen haben wollen, welchen Unmut die Marke „die Mannschaft“ dort ausgelöst hatte und von Storchs Äußerung sehr wohl in diesem Kontext zu lesen ist, darf man kaum annehmen. Daß sich die Medien an ein Empörungspotenzial anhängen dagegen schon. Die Klickzahl ruft…

https://europablind.wordpress.com/

 

Hysterie – wie Politik und Medien Empörung erzeugen und nutzen