Gewalt bleibt Gewalt – trotz Torte

Die Premiere des Films „Im Westen nichts Neues“ fand ein unrühmliches Ende: im Kino wurden nämlich Unmengen weiße Mäuse losgelassen. Finden Sie lustig? Ja, ein schöner Lausbubenstreich, könnte man meinen. Wenn man sich die näheren Umstände anschaut, allerdings nicht: Der Antikriegsfilm nach dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque startete nämlich in einem Berliner Kino – im Jahre 1930. Die Störer waren SA – Trupps.

Ein Clown betritt eine geschlossene Veranstaltung. Es wird Parteiarbeit geleistet, den Vorsitz haben eine Frau und ein älterer Herr. Der Clown trägt zwei Torten, singt ein Geburtstagslied und nähert sich den Vorsitzenden. Ein zweiter Mann filmt mit einem Smartphone, wie der Clown der Frau eine Sahnetorte ins Gesicht drückt, der ältere Herr kann sich mit einem energischen Hieb die Torte vom Leib halten.

Finden Sie auch lustig? Ein richtiges Schelmenstück, könnte man meinen. Und ein Großteil der Internetuser und sogar der Presse stimmt in die Häme mit ein. Große Artikel, viele Bilder und jedes Medium verbreitet willig die Smartphone – Bilder. Bullying oder Mobbing wäre das in der Schule, jetzt hat es den politischen Betrieb erreicht.

Es ist eine Übereinkunft in diesem Lande, daß die körperliche Unversehrtheit ein hohes Gut ist und sogar vom Grundgesetz geschützt wird. Politiker und Parteien gehören zur Meinungsbildung und auch Aussagen, die nicht jeder gern hören mag, ja, sogar solche, die sich richtig ungehörig anhören, sind von der Meinungsfreiheit gedeckt.

Nicht gedeckt jedoch ist es, körperlich zu werden. Ein Angriff auf eine Person ist und bleibt ein Gewaltakt. Wenn es eine unbeliebte Person trifft, sind jedoch ganz viele Menschen, die sich politisch und menschlich doch eigentlich auf der richtigen Seite – nämlich der des Guten wähnen, zu unwahrscheinlicher Häme bereit.

Hier handelt es sich jedoch um einen Gewaltakt – noch dazu von einem Mann gegen ein Frau, ein absolutes No -Go und eine schwere öffentliche Demütigung. Das wissen sogar die hämischen Reporter der „Tagesschau“, denn auf sehr legitime Fragen des AfD – Landesvorsitzenden Pretzell über Twitter („Vielleicht schicken wir mal ein paar „Aktivisten“ zum WDR“ und „Was würden Sie sagen, wenn „Aktionskünstler“ von der #AfD die #Pinocchiopresse torten würden“) vermuten die plötzlich humorlosen Journalisten einen „Gewaltaufruf“ (ca. Min 1:14).

Das sind die Mittel, zu denen die Nazis vor 86 Jahren griffen: Schlägertrupps, Sprechchöre, Zwischenrufe. Es scheint, diese Mittel, humorvoll und als „Kunst“ verbrämt, werden wieder alltagstauglich. Jedem, der sich an den demütigenden Bildern gefreut hat, sollte eigentlich klar sein, was das für den politischen Disput bedeutet: Keiner kann sich mehr sicher sein, ob er ungestraft seine Meinung äußern kann – obwohl es sein durch das Grundgesetz verbrieftes Recht ist – und sei sie noch so bescheuert.

PS: Frau von Storch, die bestimmt nicht zu den sympathischsten politischen Akteuren gehört, hat nicht zum ersten Mal handfeste Gegenargumente zu spüren bekommen. Komischerweise habe ich bisher noch nie von AfD – Schägertrupps gehört. Von linken „Randalen“ jedoch jede Menge:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article149918743/Scheinheilige-Verwunderung-ueber-linken-Gewaltexzess.html

http://www.bild.de/regional/dresden/randale/warum-verschweigt-der-landtag-die-randale-von-leipzig-43830260.bild.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/ausschreitungen-in-berlin-neukoelln-zahlreiche-autos-durch-randale-beschaedigt-henkel-spricht-von-strassenterror/12930396.html

http://www.berliner-kurier.de/berlin/polizei-und-justiz/linke-randale-rigaer-strasse–das-ist-an-perversitaet-kaum-zu-ueberbieten–23206528

http://www.mmnews.de/index.php/politik/64906-linke-randale-berlin

http://www.kn-online.de/News/Aktuelle-Nachrichten-Schleswig-Holstein/Norddeutschland/Polizei-nimmt-21-linke-Demonstranten-nach-Randale-in-Luebeck-fest

https://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/01/potsdam-pogida-gegendemonstration.html

http://www.welt.de/politik/deutschland/article138538899/Gewaltexzesse-Feuer-und-Traenengas-in-Frankfurt.html

…to be continued..

https://europablind.wordpress.com/

 

 

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Gewalt bleibt Gewalt – trotz Torte

2 Gedanken zu “Gewalt bleibt Gewalt – trotz Torte

  1. Anonym schreibt:

    Ich stimme Ihnen bezüglich des Gewaltaktes zu.
    Etwas stutzig macht mich jedoch, dass Sie das Geschlecht des Täters und Opfers nochmal betonen. Das ist nicht sachdienlich, da es für unser Urteil über die Tat keine Rolle spielen sollte.
    Linke Gewalt ist in der Tat ein unterschätztes Phänomen, aber wenn Sie wirklich von rechter Gewalt nichts mitbekommen, unterstelle ich Ihnen mal selektive Wahrnehmung.

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