Wir sind die Guten

Daß ARD und ZDF durchaus regierungstreu berichten ist uns ja bekannt, zu diesem Thema habe ich mich auch schon geäußert.

Analog zum Propaganda – Vorwurf an Putin und die russischen Medien muß man aber feststellen, daß es immer mehr auf die Perspektive ankommt. Natürlich verfolgt Putin eine eigene Agenda und spannt seine heimischen und internationalen Medien dabei ein. Skepsis gegenüber der russischen Seite ist durchaus angebracht – nicht zu vergessen ist aber, daß auch unsere Medien nicht im luftleeren Raum über allem schweben – denn der Westen ist „die andere Seite“: Wir sind im Grunde der „Gegner“, wenn Putin einen hat, also in jedem Fall „Partei“. Daher muß man jede Objektivitätsbehauptung der hiesigen Medien genauso skeptisch betrachten wie die der Gegenseite. Auch die „Deutsche Welle“ – der, laut Wikipedia, staatliche Auslandsrundfunk, hat die Aufgabe „Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich zu machen“ – ergo die deutsche Auffassung international zu verbreiten. Nichts anderes tut etwa RT, der russische Auslandssender.

Da wir uns aber als Hort der Freiheit und Aufklärung verstehen ist es die einhellige Auffassung der deutschen Politik, nur die Russen betrieben Propaganda: Wir sind also die Guten!

Dies drückt sich immer wieder in Forderungen aus, bei Staatsbesuchen etwa in China oder anderen totalitären Staaten auch die Menschenrechtsfragen anzusprechen. So weit, so gut. Aber warum wird dann dieses Thema zwar in Nachrichten gerne betont – wenn doch in Wirklichkeit meist eher wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt stehen? Ich habe noch nie gehört, daß Angela Merkel die Gespräche in Peking abgebrochen hätte, weil die Chinesen sich bei den Menschenrechten nicht bewegten. Oder Sanktionen gegen China – immerhin haben die die Atombombe! Und terrorisieren ihre Nachbarstaaten mit Ansprüchen auf irgendwelche strategisch günstig gelegenen Inseln.

Aber nein, allen politischen Zickzacks zum Trotz: Wir sind die Guten und haben alles Recht der Welt, unsere Ansichten allen anderen Staaten und Gesellschaften aufzudrücken.

Aber zurück zum Thema: Gerade das ZDF gibt sich ja gerne als Vorreiter im Kamof um Frieden und Freiheit und gegen das Böse (=Putin), man denke nur an jenes unselige Interview von Claus Kleber mit dem Siemens – Chef Kaeser anläßlich dessen Russland – Reise.

Diese Fassade ist schon im Laufe der Ukraine – Krise brüchig geworden, hatte doch das ZDF zugeben müssen, Material eines ukrainischen PR – Netzwerks genutzt zu  haben (die ARD hat übrigens gleich gänzlich falsche Bilder ausgestrahlt) – und die nun wirklich erfahrene Rußland – Korrespondentin Gabriele Krone – Schmalz rügte die moralische Überheblichkeit des Westens in ihrem Buch und in einem Interview mit dem NDR bekamen auch die westlichen Medien ihr Fett weg.

Ende letzten Jahres nun schlug das russische Fernsehen zurück: Eine besonders einseitige ZDF – Doku über einen russischen Kämpfer wurde dort als Fälschung bezeichnet – und der vom ZDF präsentierte Kronzeuge als vermeintlicher Lügner entlarvt. In der anschließenden Diskussion lamentierten die Verantwortlichen im ZDF: „“Das russische Fernsehen darf behaupten, was es will“, Belege aber würden nur vom ZDF verlangt„.

Vielleicht ist das aber der Preis für den Anspruch Moralinstanz zu sein? Wer unter den Guten der Beste sein will muß eben besonders gründlich arbeiten und für alles und jedes Belege zur Hand haben. Denn niemand läßt sich gern ohne Gegenwehr am Zeug flicken.

Die Frage, die sich nun stellte war: Hatte die zuständige Redaktion einen Fehler gemacht – oder war sie gar von ihrem russischen Mitarbeiter hinters Licht geführt worden?

Möglicherweise beides – gestern meldete der „stern“, eine Recherche zweier unabhängiger Journalisten habe Indizien zu den Fälschungsvorwürfen zutage gefördert. Der Interviewpartner habe nie in der Ukraine gekämpft, zumindest nicht zu der behaupteten Zeit und stünde damit im Widerspruch zu den anderen Angaben in der Doku.

Das ZDF muß sich also zumindest den Vorwurf gefallen lassen, in seinem Bestreben, die westlichen Vorwürfe zu bekräftigen, zu leichtfertig gewesen zu sein. Die Polizei z.B. sollte ja auch nicht nur nach Beweisen gegen einen Beschuldigten fahnden, sondern auch aufmerksam sein, ob sich Vorwürfe entkräften lassen.

Wenn wir die Guten sein wollen, dann müssen wir BEIDE Seiten sehen, nicht nur die eigene. Eigentlich für objektive Medien selbstverständlich, aber das sind die hiesigen wohl nicht mehr.

https://europablind.wordpress.com/

Advertisements
Wir sind die Guten

Ein Gedanke zu “Wir sind die Guten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s