Lindner gegen Storch: Vom Umgang der Presse mit der Wahrheit…

Durch manche Talkshows kann man einfach nur lernen. Nicht durch die Gäste oder den Umgang mit ihnen, sondern einfach nur durch die Reaktion der Presse am nächsten Tag.

Manchmal hat man das Gefühl, eine andere Sendung gesehen zu haben – und manchmal schreit einem die Voreingenommenheit der Journalisten schon aus den ersten Zeilen entgegen.

„Anne Will“ ist so ein Fall. Die Sendung vom 24. 01. 2016 ist an sich schon lehrreich – und hat ein spannendes Thema: „Brauchen wir eine Obergrenze?“ Nach dem österreichischen Schritt zur Einführung derselben steht Deutschland unter Zugzwang.

Da sprüht der Präses der Evangelischen Kirchen in Deutschland, Heinrich Bedford – Strohm, nur so vor selbstgerechter Menschenliebe, hört weltweit von Kirchenkollegen nur Anerkennung zur deutschen Flüchtlingspolitik und wehrt sich vehement gegen alles, was die Aufnahme in Deutschland einschränken könnte. Naiv, weltfremd und in seiner Unbeirrtheit unglaublich.

Armin Laschet verteidigt die Politik der Kanzlerin, fährt sogar die immensen Unkosten von zehn Milliarden Euro einer Grenzschließung für die Wirtschaft auf, ohne dabei die Kosten von 40 Mrd. für die Flüchtlingsversorgung gegenzurechnen, die Staat, Bürger und Sozialkassen belasten ( -wie Deutschland vor Schengen Exportweltmeister sein konnte, erscheint mir unter diesem Gesichtspunkt geradezu surreal).

Hans Peter Friedrich, mit Deutschland – Button am Revers, trat als Befürworter einer Obergrenze auf und lag damit im Grunde auf AfD – Linie.

Und Beatrix von Storch, als AfD – Europaabgeordnete zitierte streng, aber sehr sachlich, die geltenden Gesetze, die gerade verletzt werden, warf der Kanzlerin vor, als Magnet für die Flüchtlingsströme zu fungieren und forderte von ihr ein klares Signal zum Ende der Aufnahmekapazität.

Alles in allem drehte sich die Diskussion im Kreis, keiner sagte wesentliches und Frau von Storch verließ den Boden des juristisch Einwandfreien nie, berief sich sogar auf die Gutachten ehemaliger Verfassungsrichter zur Feststellung des Verstoßes gegen das Grundgesetz durch die Kanzlerin.

Also genaugenommen wenig aufregend, hätte nicht Frau Will noch kurz vor Schluß süffisant einen Facebook – Post von Frau Storch vorgestellt, in dem diese Wetten darauf annahm, daß Merkel sich eines Tages nach Südamerika absetzen müsse -aus Sicherheitsgründen.

So what? Wenn Merkel nicht bald die Kurve kriegt, sind wir sicher alle gespannt, wo die derzeitige Lage noch hinführt. Und daß es viele Bürger gibt, die sehr zornig auf Merkel sind, dürfte spätestens nach den Geschehnissen von Köln allen klar sein. Wie man aus einem etwas depperten Facebook – Post aber einen kleinen Skandal inszeniert, zeigt uns unter anderem die „Welt“:

Schon in der Überschrift entlarvt Anne Will die „wirre Merkel – Theorie der AfD – Frau“. Schon das despektierliche in der Überschrift macht klar: Frau Storch als „AfD – Frau“ ist zur Ächtung freigegeben – oder hört man über Christian Lindner Äußerungen wie „der FDP – Mann“? Doch dazu später mehr.

Im Artikel selber muß erst einmal zugegeben werden, daß von Storch Sätze sagt, „die nicht jedem passen, die aber legitim sind.“ Und: „Friedrich sagt dasselbe“. Nicht ohne darauf hinzuweisen, daß sie auf einen „national – chauvinistischen Auftritt“ wie von Blörn Höcke verzichte. aber hatte den jemand erwartet? Hat sie jemals ähnliches wie Björn Höcke gesagt? Gibt es irgendeinen Anlaß, sie grundlos in die Nähe des AfD – Rechtsaußen zu rücken – oder ist nicht vielmehr genau das beabsichtigt?

Der „Spiegel“ arbeitet ähnlich: Zunächst wird Merkel – Verteidiger Armin Laschet als „aufrechter CDU – Politiker tituliert – wodurch der „Spiegel“ schon mal die Fronten klarmacht, denn Laschet müsse sich ja klar absetzen, wozu es in diesen Tagen keine AfD -Vertreter brauche, es reiche ja schon CSU – Vertreter Friedrich.

Die ganze Sendung über lenkte Laschet, ganz eifriger Merkel – Mann, die Verantwortung nach Europa, als hätte Deutschland keine handlungsfähige Regierung (was stimmen mag) – laut „Spiegel“ hielt er „tapfer die Fahne der gesamteuropäischen Lösung hoch“ und den Hinweis des EKD -Mannes Bedford – Strohm auf Ursache und Wirkung von Handelspolitik und Flüchtlingsproblematik hält der „Spiegel“ für „klug“. Wow, das ist schon richtig – da gehört einiges gerade von der EU geändert, jetzt geht es aber endlich einmal darum, was jetzt dringlich zu tun ist und Bedford – Strohm eröffnet weitere Kriegsschauplätze. „Klug“ wäre, wenn er praktische Lösungen anbieten würde und nicht auswiche!

Beatrix von Storch kommt beim „Spiegel“ nicht zu Wort, außer in der Aufnahme einer frechen Replik von – schon wieder –

Armin Laschet in der Überschrift („“Untergrenze des Niveaus“) auf Frau von Storch. Daß sie in der ganzen Sendung eigentlich nur die Wiedereinführung des Rechts anmahnte und das Scheitern der europäischen Lösung erklärte, wird nicht gewürdigt. Wenn Friedrich auf ihrer Linie lag, reicht es ja vielleicht, sachlich nur über ihn zu berichten. Aber Frau von Storch ein Falschzitat über die acht bis zehn Millionen Flüchtlinge, die noch in den Startlöchern stehen,vorzuwerfen – obwohl es nach Laschets Einspruch gleich von Anne Will selbst bestätigt wurde – zeugt von hoher journalistischer Ungenauigkeit.

Immerhin die FAZ konstatiert die Widersprüche in den Antworten der Verteidiger von Merkels Flüchtlingspolitik und macht deutlich, wie wenig die regierenden Parteien für ihre Politik Verantwortung übernehmen – und die AfD bezichtigen, während diese nichts tun muß, als die Fehler benennen, um beim Bürger Erfolg zu haben.

Es gab noch andere, selbst wirre Stimmen zu diesem Abend (Focus: „Wirres Gerücht von AfD -Frau„, BILD: „Die AfD – Frau, die bei Will total entgleiste“ – mit dem Spitznamen „Blubber – Bea“ versehen), die zeigen, wer bei der Presse gerade nicht beliebt ist.

Wer von den Medien aber wieder hochgeschrieben werden soll, zeigt sich deutlich bei „FDP – Mann“ Lindner (keiner hat ihn so tituliert), der einen Tag später bei „Hart aber fair“ im Grunde genau das gleiche sagte wie Frau von Storch – und von den Kritikern mit Samthandschuhen angefaßt wird.

Wo Frau von Storch im besagten Facebook – Post noch schrieb, die Kanzlerin habe das Land ruiniert, sie sei verantwortlich für die schwerste Krise nach dem Zweiten Weltkrieg – startet Lindner mit folgendem Satz in den Abend:

„Die Kanzlerin leidet an Realitätsverlust, denn sie hat unser Land mit ihrer Willkommenspolitik ins Chaos gestürzt. Zwischen dem Kurs der Kanzlerin und dem Überforderungsgefühl der Bürger liegen inzwischen Welten.“

Die „Welt“, bei von Storch noch forsch, titelt: „Der Verlegenheitsgast trumpft auf“. Inhaltlich – und zum Teil fast wörtlich, sagte er nichts anderes als die „AfD -Frau“, zum Beispiel: „Kriegsflüchtlinge sind keine Asylberechtigten“ – um darauf hinzuweisen, daß diese nach internationalem Recht nach Beendigung der Kriegswirren in ihre Heimat zurückzukehren hätten um am Wiederaufbau mitzuwirken. Eigentlich ein Allgemeinplatz, doch genau das hatte Frau von Storch bei Anne Will gesagt und sich damit gegen eine voreilige Integration ausgesprochen. Daß Herr Lindner mehr Platz (und auch Respekt) eingeräumt bekommt, als Frau von Storch, läßt sich beim Vergleich beider Sendungen bemerken.

In der Sendung bekommt Herr Lindner auf sein Argument, daß v.a. junge Männer als Flüchtlinge kämen, von Elmar Brok (der im Argumentieren nicht so geschickt ist wie im Palavern) schon das Wort „AfD“ entgegengeschleudert, die „Welt“ konstatiert vorsichtig: „Soweit konnte man ihm vorwerfen, sich in weiten Teilen dem (sic) Duktus der AfD zu bedienen,“ – nicht ohne anzumerken, daß er das ja immerhin nicht in derem bizarren Aufritt täte. Es kommt wohl nicht mehr darauf an, was man sagt, wenn man es einigermaßen lässig und selbstsicher tut?

Der „Spiegel“ warf ihm eine „staatsmännische Pose“ vor, hielt ihm aber immerhin einige „vernünftige Bemerkungen“ zugute.

Auch die Rückkehr zu „Dublin 3“ und anderen, von Merkel mißachteten Verträgen forderte Lindner – und bewegte sich auch da auf einer Linie mit von Storch.

Zumindest die FAZ – wieder einmal – versucht sachliche Kritik und nimmt die FDP etwas mehr ins Zielkreuz.

Der Bürger hat die FDP offenbar nicht vermißt, das zeigen die Umfrageergebnisse. Warum also Herr Lindner gebeten wird, Stellung zu beziehen und für gleiche oder ähnliche Inhalte deutlich besser behandelt wird als eine „gewisse“ („Spiegel“) Frau von Storch bleibt das Geheimnis von ARD, ZDF und Presse.

 

 

 

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